Sturmfluten spülen an ostfriesischen Inseln Sand weg
© Rolf Vennenbernd/dpa

Sturmfluten spülen an ostfriesischen Inseln Sand weg

30. Oktober 2026

Es waren nur zwei leichte Sturmfluten, die die niedersächsische Nordseeküste in den vergangenen Tagen trafen, dennoch sorgten Wind und Wellen auf fast allen ostfriesischen Inseln für teils erhebliche Sandverluste. Vor allem an Stränden auf Norderney und Wangerooge bildeten sich meterhohe Abbruchkanten. Auf Wangerooge ging nach Angaben der Gemeinde ein großer Teil des aufgeschütteten Badestrandes verloren. 

Auch auf Borkum, Juist, Langeoog und Spiekeroog spülten die Sturmfluten vor Schutzdünen Sand weg, wie der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) in Norden auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. Aber die Küstenschützer:innen geben auch Entwarnung: "Zusammenfassend ist die Sturmflutschutzfunktion der Schutzdünen vollständig gegeben. Es liegt keine Gefährdungslage vor."

Inwieweit für den Küstenschutz im kommenden Jahr etwa Strandaufspülungen notwendig sein werden, ist laut NLWKN noch unklar. Die Sturmflutsaison, die in der Regel von Oktober bis April dauert, hat gerade erst begonnen. 

Sand-Schwund an Weißer Düne auf Norderney 

An einem der bekanntesten Badestrände Niedersachsens, an der Weißen Düne auf Norderney, haben die Sturmfluten besonders viel Sand abgetragen. Der NLWKN schätzt den Dünenrückgang dort auf mehr als sechs Meter.

Weil in diesem Abschnitt zuletzt ohnehin schon Sand fehlte, hatte das Staatsbad den Badebetrieb im Sommer bereits aufgegeben. Nur einige Strandkörbe standen dort noch. "Stand jetzt ist die Tendenz, dass da im nächsten Jahr nichts mehr aufgebaut wird", sagte ein Staatsbad-Sprecher. Der Strandabschnitt müsse wohl zunehmend der Natur überlassen werden, da die Sandaufschüttungen jedes Mal mit Kosten verbunden seien. 

Das Staatsbad und auch der NLWKN warnen unterdessen Inselurlauber:innen davor, nicht zu nah an die Abbruchkanten heranzutreten. An der Weißen Düne gebe es keine Abgänge mehr zum Strand, sagte der Staatsbad-Sprecher. Dort klaffe eine meterhohe Abbruchkante. Schilder warnen vor dem Betreten. "Wer nah an die Kante rangeht, läuft Gefahr, dass man da runterbricht", warnte er. 

Auch weiter westlich am Strandabschnitt Kugelbake fehlt laut NLWKN Sand vor der Schutzdüne. Im Mittel seien bis zu vier Meter Dünenrückgang zu verzeichnen, teilten die Küstenschützenden mit. Die Dünen waren dort 2022 verstärkt worden. Die Sturmflutsicherheit sei weiterhin gegeben, heißt es vom Landesbetrieb.

Wangerooge verliert Badestrand 

Ein "gewaltiges Loch" haben die ersten Herbststürme auf Wangerooge in den Hauptbadestrand gerissen, wie die Kurverwaltung mitteilte. Schätzungen zufolge fehlen schon jetzt mehr als 40.000 Kubikmeter Sand. Klar ist bereits, für den Badebetrieb muss der fehlende Sand im kommenden Jahr – wie jedes Frühjahr – mit Maschinen aufwendig wieder aufgefahren werden. Doch das stellt für die kleine Inselgemeinde schon absehbar einen finanziellen Kraftakt dar. 

"Wir stehen erst ganz am Anfang der Sturmsaison, und schon jetzt türmen sich Kosten von weit über 330.000 Euro vor uns auf", sagte Kurdirektorin Rieka Beewen in einer Mitteilung. "Ein intakter Badestrand ist das wirtschaftliche Rückgrat unserer Insel und die unverzichtbare Grundlage für den Tourismus auf Wangerooge. Diese gewaltige finanzielle Last im Frühjahr ist allein aus dem Haushalt der Kurverwaltung im Grunde nicht zu schultern und stellt uns vor erhebliche Herausforderungen." Deshalb hofft die Insel auf Unterstützung des Landes und des Landkreises Friesland. 

Sandverluste meldet auf Wangerooge auch der Küstenschutz. Etwa an den Nord-Ost-Dünen, wo erst 2025 zuletzt zum Schutz ein Sanddepot aufgefahren wurde. Im Mittel betrage der Sandverlust dort etwa vier Meter. Möglicherweise sei dort eine neue Sandaufschüttung 2027 nötig, teilte der NLKWKN mit.

Wie es auf anderen Inseln aussieht

Auch auf Borkum haben sich die Strände nach Angaben der Kurverwaltung teils verändert. Durch Drift sei an einigen Stellen Sand angelagert worden, an anderen Abschnitten gebe es dagegen Abbruchkanten. Laut NLWKN gab es an den Kobbedünen im Inselosten etwa drei Meter Dünenrückgänge. "Eine Gefährdung der Schutzdüne ist nicht gegeben", teilten die Küstenschützenden mit.

Auf der Nachbarinsel Juist verzeichnete der NLWKN im Westteil Rückgänge an der Dünenkante von bis zu fünf Metern. Nach einer Dünenverstärkung in diesem Bereich 2020 sei die Sturmflutsicherheit "vollständig gegeben".

Vor Langeoog nagten die Sturmfluten am Strandbereich vor der Schutzdüne am Pirolatal. Zum Schutz der Düne hatte der Küstenschutz dort zuletzt 2025 Sand an der Seeseite aufgespült. Dieser Sand bildet einen geplanten Verschleißkörper, um die eigentliche Düne vor Wind und Wellen zu schützen. Auf einer Breite zwischen vier und zehn Metern ist dieser Sandkörper laut NLWKN nun durch die Sturmfluten abgebrochen. Die Schutzdüne selbst sei nicht betroffen. Der Schutz der Düne ist wichtig, da diese den Ort und auch das Gebiet für die Trinkwassergewinnung auf der Insel sichert.

Auf Spiekeroog trugen die Sturmfluten aufgespülten Sand vor den Zeltplatzdünen im Inselwesten ab. Dort gab es laut dem Küstenschutz leichte Abbrüche, aber auch hier sei die Düne nach wie vor intakt. Allein auf der kleinsten ostfriesischen Insel Baltrum wurden keine Dünenabbrüche festgestellt.

SAT.1 REGIONAL/dpa