Tödliche Schüsse aus Rache? - Verteidigung widerspricht
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Tödliche Schüsse aus Rache? - Verteidigung widerspricht

3. November 2026


Verden (dpa/lni) -

Im Prozess wegen Mordes und versuchten Mordes in Nienburg an der Weser hat der 32 Jahre alte Angeklagte die Darstellung der Staatsanwaltschaft zurückgewiesen. Der Ehrbegriff sei seinem Mandanten fremd, sagte dessen Verteidiger am zweiten Verhandlungstag vor dem Landgericht Verden. Der Angeklagte habe weder aus Rache noch in Tötungsabsicht, sondern in Panik gehandelt - aus Sorge um das Leben seines Bruders. Die Staatsanwaltschaft hatte zu Prozessbeginn ausgeführt, der 32-Jährige habe mit den tödlichen Schüssen seine Ehre wieder herstellen wollen.

Die Tat selbst bestritt die Verteidigung nicht. Demnach bedauert der Angeklagte, dass er im Mai auf offener Straße in Nienburg einen 37-Jährigen erschoss und einen Spaziergänger lebensbedrohlich verletzte. Der Mann ist seitdem querschnittsgelähmt. Der 32-Jährige bereue die Folgen seines Handelns, sagte der Anwalt. Zwischen den Familien des mutmaßlichen Täters und des Getöteten gab es nach Darstellung der Staatsanwaltschaft und der Verteidigung einen erbitterten Konflikt. 

Videoaufnahmen zeigen tödlich getroffenes Opfer

Laut Verteidigung war der Angeklagte, der die deutsche und syrische Staatsangehörigkeit besitzt, zur Tatzeit in einem Ausnahmezustand und wollte das Leben seines Bruders retten. «Erst nachdem die Schüsse abgegeben worden waren, bemerkte er die Polizeibeamten», sagte der Anwalt. 

Vom Tatort gibt es Bodycam-Aufnahmen einer Polizistin, die kurz vor den Schüssen den Bruder des später Getöteten vorübergehend festgenommen hatte. Das Video wurde im Gerichtssaal gezeigt. Darauf sind die Schüsse zu hören, dann zeigen die Bilder das blutende Opfer. Die Tat sie ihr schlimmstes Erlebnis gewesen, sagte die Polizistin als Zeugin im Gerichtssaal. Niemand habe es verdient, auf offener Straße erschossen zu werden - ohne Chance auf Hilfe zu verbluten, sagte die 25-Jährige.

Die Verhandlung findet nicht in den Räumen des Landgerichts statt, sondern in der früheren Reithalle, die für den Prozess gegen die Ex-RAF-Terroristin Daniela Klette zum Gerichtssaal umgebaut worden ist. Die Sicherheitsvorkehrungen sind hoch.

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Quelle: dpa